Kroatien vor herausfordernder Tourismussaison 2026

Kroatien vor herausfordernder Tourismussaison 2026

Kroatien vor herausfordernder Tourismussaison – Žgomba mahnt zur Realitätsnähe

Der kroatische Tourismussektor steht vor einer der anspruchsvollsten Saisons seit der Pandemie. Darauf weist Boris Žgomba, Präsident des Verbands der Reiseagenturen bei der HGK und Vorstand der Uniline-Gruppe, hin. Trotz eines positiven Jahresauftakts mit über 1,1 Millionen Ankünften und rund drei Millionen Übernachtungen sei Vorsicht geboten: Diese Zahlen spiegelten lediglich die ersten Monate wider und hätten nur begrenzte Aussagekraft für das Gesamtjahr.

Žgomba betont, dass der Tourismus grundsätzlich krisenresistent sei und auch die aktuellen globalen Herausforderungen überstehen werde – jedoch nicht ohne wirtschaftliche Einbußen. Die geopolitischen Spannungen, insbesondere im Nahen Osten und in Osteuropa, erschweren Prognosen erheblich. Gleichzeitig zeigt sich bereits eine verzögerte Buchungslage, die sich voraussichtlich stark in den kurzfristigen „Last-Minute“-Bereich verlagern wird. Dies erhöht den Preisdruck und verschärft den Wettbewerb mit klassischen Urlaubsländern wie Griechenland oder der Türkei.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist der Flugverkehr. Statt massiver Streichungen erwartet Žgomba eher eine Reduzierung von Verbindungen, insbesondere auf weniger profitablen Strecken. Sollte dies eintreten, könnte Kroatien einen Teil der Flugreisenden verlieren – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Gesamtzahlen.

Kritisch äußert sich Žgomba zur Preiswahrnehmung Kroatiens. Während Unterkünfte oft nicht überdurchschnittlich teuer seien, entstünden hohe Kosten vor allem bei Zusatzleistungen wie Gastronomie oder im Einzelhandel. Gerade internationale Handelsketten lägen preislich häufig deutlich über dem Niveau anderer Länder. Dies führe dazu, dass Kroatien insgesamt als hochpreisige Destination wahrgenommen werde.

Auffällig ist zudem das Ausgabeverhalten der Gäste: Während Touristen in Kroatien im Schnitt rund 170 Euro pro Tag ausgeben, sind es in Italien etwa 250 Euro und in Portugal sogar deutlich mehr. Für Žgomba liegt die Ursache weniger beim Gast, sondern vielmehr im Angebot: Es gelinge nicht ausreichend, zusätzliche Anreize für höhere Ausgaben zu schaffen.

Langfristig verfolgt Kroatien das Ziel, sich als Ganzjahresdestination zu etablieren. Laut Žgomba ist dies derzeit jedoch nur in einzelnen Regionen wie Zagreb, Dubrovnik, Opatija oder den Plitvicer Seen realistisch. Eine flächendeckende Entwicklung erfordere einen schrittweisen Ausbau über viele Jahre hinweg.

Abschließend verweist Žgomba auf den strukturellen Wandel im Reiseverhalten. Gäste bleiben nicht mehr über Jahre hinweg an einem Ort, sondern bevorzugen mehrere kürzere Reisen und neue Destinationen. Diese Entwicklung verlangt von der Branche ein Umdenken in Angebot, Preisgestaltung und strategischer Ausrichtung.

Trotz aller Herausforderungen bleibt der Tourismus eine stabile Säule der Wirtschaft – entscheidend wird sein, wie flexibel und vorausschauend auf die aktuellen Veränderungen reagiert wird.

23. April 2026 von Nikolina Salvaggio